Mehrwegbecher für ein sauberes Berlin

Berlin hat am 14. Juli 2017 eine landesweite Initiative gegen Müllberge durch Einwegbecher gestartet. In immer mehr Geschäften gibt es für die Kunden einen Rabatt, wenn sie ihren eigenen Mehrwegbecher befüllen lassen. Das Berliner Abgeordnetenhaus hatte den Senat beauftragt, gemeinsam mit Umwelt- und Wirtschaftsverbänden die Becher- und Abfallflut in Berlin zu verringern.

Daniel Buchholz, Sprecher für Stadtentwicklung und Umwelt der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, hat die überparteiliche Initiative von Anfang an aktiv unterstützt und freut sich über den Start: „Jetzt sagt die deutsche Hauptstadt endlich der Becherflut den Kampf an! Bisher landen jedes Jahr 170 Millionen Einwegbecher nach kurzem Gebrauch im Mülleimer oder auf den Berliner Straßen.

Was Anfang 2016 mit ersten Gesprächen am Runden Tisch zwischen Umweltpolitikern und Wirtschafts- sowie Umweltverbänden begann, wird jetzt Realität. In vielen Kaffee-Geschäften, Bäckereien, Tankstellen, Bars und Snack-Shops gibt es ab sofort einen Rabatt für Kunden, die ihren eigenen Mehrwegbecher mitbringen und befüllen lassen. Eine schlaue Lösung, denn Mehrwegbecher vermeiden Müll, tragen zu einem sauberen Stadtbild bei und schützen das Klima.

Die rot-rot-grüne Koalition hatte den Senat Anfang 2017 mit einem Parlamentsantrag aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um die steigende Zahl von sogenannten Coffee-To-Go-Bechern (Einweg-Getränkebechern) in Berlin zu reduzieren. Dazu sollen die Kunden einen Rabatt von in der Regel 20 Cent oder andere Vergünstigungen erhalten. Außerdem ist in einem zweiten Schritt ein attraktiver landesweiter Berliner Mehrwegbecher einzuführen. Die Gespräche dazu laufen noch.

Jahr für Jahr werden die Straßen und Plätze der Hauptstadt mit 2.400 Tonnen Abfall durch sogenannte Coffee-To-Go-Becher vermüllt. 85 Prozent der Berlinerinnen und Berliner finden, dass Einwegbecher öffentliche Papierkörbe überlasten und Plätze sowie Parks verschmutzen. Jetzt liegt es an jedem Einzelnen. Wer seinen eigenen Becher befüllen lässt, spart richtig Geld und schützt die Umwelt!“

Karneval der Kulturen u Muell 4In Berlin werden pro Stunde 20.000 Einwegbecher verbraucht – das sind 170 Millionen Wegwerfbecher pro Jahr. Diese Becherflut verschwendet enorme Ressourcen und erzeugt viel Müll. Allein die in Berlin verbrauchten Wegwerfbecher entsprechen einem Abfallberg von 2.400 Tonnen pro Jahr. Für ihre Herstellung wird das Holz von 2.580 Bäumen verbraucht, außerdem 1.320 Tonnen Rohöl für den Kunststoffanteil des Bechers sowie 85 Millionen Liter Wasser. Das ist ein halber Liter Wasser pro Einwegbecher.

Um den Umstieg auf Mehrwegbecher zu unterstützen, starten der Berliner Senat und die Berliner Stadtreinigung (BSR) gemeinsam mit Wirtschafts- und Umweltverbänden die Initiative BETTER WORLD CUP. Mitmachen können alle Unternehmen, die ihren Kunden Getränke to go anbieten und die Hygieneempfehlungen beachten. Überall dort, wo das BETTER WORLD CUP-Logo an der Tür oder im Schaufenster angebracht ist, können Kunden ihren eigenen sauberen Mehrwegbecher befüllen lassen. Sie erhalten dann einen Rabatt oder z.B. einen Keks zu ihrem Kaffee. Richtwert für den Rabatt sind 20 Cent.

Zum Start der Initiative erklärte Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: „Wir haben ein breites Berliner Bündnis für die Verwendung von Mehrwegbechern geschmiedet. Gemeinsam mit der BSR und den Berliner Wirtschafts- und Umweltverbänden wollen wir etwas für die Umwelt bewegen. Wer vom Einwegbecher auf einen Mehrwegbecher umsteigt, schont die Umwelt, vermeidet Müll und trägt außerdem zum Klimaschutz bei. Die Einwegbecher, die pro Jahr in Berlin verbraucht werden, verursachen bei ihrer Herstellung 6.660 Tonnen CO2-Emissionen. Weniger Einwegbecher bedeuten auch weniger Ausstoß von Klimagasen. Wer auf Mehrweg umsteigt, macht die Welt ein bisschen besser.“

Dr. Tanja Wielgoß, Vorstandsvorsitzende der Berliner Stadtreinigung (BSR), sagte: „Unsere Straßenreinigerinnen und -reiniger sind täglich mit der Flut an Einwegbechern konfrontiert. Als nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen sehen wir außerdem die Ressourcenverschwendung bei der Einwegbecher-Herstellung sehr kritisch. Deshalb haben wir gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern den BETTER WORLD CUP entwickelt. Es wäre großartig, wenn diese Initiative zu einer breiten Bewegung für ein umweltbewusstes und sauberes Berlin wachsen würde. Wir meinen: To-Go-Getränke und Nachhaltigkeit müssen kein Widerspruch sein.“

Tobias Weber, Vizepräsident der IHK Berlin, erklärte: „Über 100 Verkaufsstellen beteiligen sich bereits beim heutigen Start der Initiative und viele weitere werden sich beteiligen. Uns freut besonders, dass es gelungen ist, einheitliche und klare Hygieneanforderungen für alle Standorte in Berlin abzustimmen. Dadurch wird es vielen Unternehmern erleichtert, Mehrwegbecher anzunehmen.“

Barbara Metz, stellv. Geschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH), erklärte: „Coffee to go-Becher sind ein wahrer Fluch für die Umwelt und das neue Symbol einer unökologischen Wegwerfgesellschaft. Die Einwegbecher kommen nur circa 15 Minuten zum Einsatz. Damit ist deren Nutzungsdauer noch kürzer als die einer Plastiktüte. Jeder Berliner verbraucht im Durchschnitt 49 Einwegbecher pro Jahr, was in der Bundeshauptstadt jeden Tag zu 460.000 weggeworfenen Pappbechern führt. Um das Umweltproblem zu lösen, ist ein Mehrwegsystem mit einheitlichen Pfandbechern ein guter Ansatz. Fast jeder kennt Mehrwegflaschen für Mineralwasser, Bier und Brause. Das sollte doch auch für Kaffee klappen und ein Vorbild für andere deutsche Städte, aber auch Weltmetropolen sein.“

Die Aktion unter der Dachmarke BETTER WORLD CUP ist ein erster Schritt, um die Nutzung von Mehrwegbechern konsequent voranzubringen. Ziel der Initiative ist es darüber hinaus, in Berlin die Möglichkeiten zu fördern, Mehrwegbecher gegen Pfand auszugeben und zurückzunehmen. Im Rahmen der „Arbeitsgespräche Berliner Mehrwegbecher to go“, arbeiten die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz derzeit gemeinsam mit Wirtschafts- und Umweltverbänden daran, die Ausgabe und Rücknahme von Pfand-Mehrwegbechern zu unterstützen.

So können sich Verkaufsstellen an der Mehrwegbecher-Aktion beteiligen: Inhaber, die beim BETTER WORLD CUP mitmachen wollen, können sich auf der Internetseite www.betterworldcup.berlin anmelden. Die Materialien wie Aufkleber, Plakate oder Aufsteller für Theke und Tresen kommen kostenlos per Post. Die Verkaufsstelle wird in eine interaktive Karte aufgenommen. Mitmachen können alle, die Getränke to go anbieten und die Hygieneanforderungen erfüllen – ob Café, Imbiss, Bäckerei, Systemgastronomie, Spätkauf oder Tankstellen. Das entsprechende Hygienefaltblatt, das mit der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung abgestimmt wurde, erhalten die Inhaber mit den Materialien. Das Faltblatt kann zudem auf www.berlin.de/mehrwegbecher heruntergeladen werden.


Meldung vom Februar 2016: Wie alles begann..


Um den Abfallberg von jährlich 170 Millionen Coffee to go-Bechern in Berlin zu verringern, fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gemeinsam mit den Umweltpolitikern im Berliner Abgeordnetenhaus die Einführung von Mehrwegsystemen für den mobilen Kaffeegenuss.

Der Berliner Handel und die Gastronomie sollen auf wiederbefüllbare Becher setzen, weil die Straßen und Plätze der Hauptstadt Jahr für Jahr mit 2400 Tonnen Abfall durch Coffee to go-Becher vermüllt werden. 85 Prozent der Berlinerinnen und Berliner finden, dass Einwegbecher öffentliche Papierkörbe überlasten und Plätze sowie Parks verschmutzen. Eine schlaue Lösung sind Mehrwegbecher – sie vermeiden Müll, tragen zu einem sauberen Stadtbild bei und schützen das Klima.

In einem gemeinsamen Schreiben der umweltpolitischen Sprecher aller fünf Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses werden die größten Kaffeehausketten, Bäckereien und Tankstellenbetreiber dazu aufgefordert, auf Mehrwegbecher zu setzen. Auch die Kantine des Berliner Abgeordnetenhauses soll mit gutem Beispiel vorangehen und zukünftig wiederbefüllbare Becher statt Wegwerfverpackungen anbieten.

Der umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus Daniel Buchholz unterstützt die Initiative: „Ein Coffee-to-go-Becher ist erstmal sehr praktisch: mitnehmen, austrinken, wegwerfen. Aber leider ist er auch Teil der Becherflut, die vielfach auf Berlins Straßen und Plätzen landet. Rund 170 Millionen Becher jedes Jahr in Berlin sind ein massives Abfall-Problem und verschwenden wertvolle Ressourcen. Mehrwegbecher haben schon nach wenigen Nutzungen eine bessere Ökobilanz als Einwegbecher. Kaffeetrinken geht besser! Darum unterstütze ich die Becherheld-Kampagne und wünsche mir, dass möglichst viele Coffee-Shops und Kantinen mitmachen. Den richtigen Genuss eines Kaffees gibt es nur aus einer ‚echten‘ Tasse. Zum guten Geschmack kommt der Moment der Ruhe – und das gute Gefühl, keinen unnötigen Müll zu produzieren.“

Auf der am 29. Januar 2016 in Berlin durchgeführten Pressekonferenz zu Coffee to go-Bechern wurde auch ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Berliner Abgeordnetenhauses vorgestellt. Es schafft Rechtsklarheit zur Einführung einer landesrechtlichen Verbrauchssteuer auf Einweggeschirr, wie zum Beispiel Coffee to go-Becher. Das Gutachten wurde von der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus in Auftrag gegeben. Es belegt, dass die Einführung einer Verbrauchssteuer auf Landesebene nicht gegen Bundesrecht verstößt und somit in Berlin umgesetzt werden kann.

Die Berliner Abgeordneten Daniel Buchholz (SPD) und Silke Gebel (Grüne) forderten bei der Pressekonferenz den Einzelhandel auf, jetzt zu handeln und ein effektives Mehrwegsystem in Berlin zu etablieren. Neben der Einführung von Mehrwegbechern fordert die DUH die Einführung einer Verbrauchssteuer von 20 Cent pro Stück in der Bundeshauptstadt. Die schädlichen Umweltauswirkungen durch den massenhaften Verbrauch von Coffee to go-Einwegbechern sollen sich dadurch im Preis bemerkbar machen.

Denn an keinem anderen Ort in Deutschland werden mehr Coffee to go-Pappbecher verbraucht. Als Weltmetropole sollte Berlin mit gutem Beispiel vorangehen und als Erfolgsbeispiel zur Nachahmung dienen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Forschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag der DUH sind 75 Prozent der befragten Berlinerinnen und Berliner dafür, dass Coffee to go-Einwegbecher etwas kosten sollen.

Das Rechtsgutachten zur Einführung einer landesrechtlichen Verbrauchssteuer auf Coffee to go-Becher kann unter http://l.duh.de/nu5pk heruntergeladen werden. Weitere Informationen zur Becherheld-Kampagne der Deutschen Umwelthilfe finden Sie unter www.becherheld.de.

 

Bericht der „Berliner Abendschau“ des rbb vom 29.01.2016