Rettet Biene Maja! Berlin beschliesst Strategie für Bienen und andere Bestäuber

In Berlin fühlen sich Bienen inzwischen wohler als im Umland. Viel Grün und bunte Gärten locken sie mehr als monotone Felder. „Strategien für Bienen und andere Bestäuber in Berlin“ lautet ein Antrag von SPD, Linken und Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Er wurde am 17. Mai 2018 im Plenum durch alle sechs Fraktionen einstimmig beschlossen. Daniel Buchholz, Sprecher für Stadtentwicklung und Umwelt der SPD-Fraktion, hat den Antrag aktiv unterstützt und freut sich sehr, dass alle Fraktionen zugestimmt haben.

Senat und Bezirke werden mit dem Beschluss u.a. aufgefordert, Projekte für Bienenstöcke zu unterstützen, das Nahrungsangebot zu verbessern, den Imkermeister an der FU zu erhalten, Lehrangebote für Kinder anzubieten und einiges mehr. Auch in der Stadt macht den Bienen der Klimawandel mit seinen wechselnden Temperaturen zu schaffen. Sie werden dadurch anfälliger für Feinde wie die Varoa-Milbe.

Bienen tragen einen erheblichen Anteil zu unserem Ökosystem bei. Schon vor fast 100 Jahren soll Albert Einstein gesagt haben: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“

Bienen bestäuben fast 80 % aller Wild- und Nutzpflanzen. Die restlichen 20% tragen Hummeln, Fliegen, solitäre Wildbienen und anderen Insekten bei. Der volkwirtschaftliche Wert der Bienen liegt geschätzt bei mindestens 2,5 Mrd. Euro durch direkten Verkauf von Honig und indirekt durch die Bestäubung von Nutzpflanzen. Damit liegen sie in ihrer Bedeutung als Nutztier an dritter Stelle nach Rindern und Schweinen. Ungefähr 5.000 Bienenvölker gibt es allein in Berlin, die Zahl der Hobbyimker hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Auch auf der bundespolitischen Ebene bezieht das Land Berlin z.B. auf der Agrarministerkonferenz kritisch Stellung zur hochindustrialisierten Landwirtschaft, denn die kann nicht im Interesse der Bienen sein. Das Bienensterben infolge Klimawandel, Pestizidnutzung und Monokulturen macht sich auf der ganzen Welt bemerkbar. Besonders drastisch ist die Lage in China, wo zum Teil Pflanzen schon per Hand bestäubt werden müssen und in einigen Gebieten der USA, wo Bienenvölker zur Bestäubung durchs Land gekarrt werden.

Auch in Deutschland haben es die Bestäuber schwer. Monokulturen der Landwirtschaft erschweren die Nektarsuche. Städte wie Berlin sind für Bienen und andere Bestäuber ein besserer Lebensraum als durch hochindustrialisierte Landwirtschaft geprägte Gebiete. Damit das auch so bleibt und auf Bienen und andere Bestäuber stärker Rücksicht genommen wird, hat das Berliner Abgeordnetenhaus im Mai 2018 einstimmig den Antrag der Koalition „Strategien für Bienen und andere Bestäuber in Berlin“  beschlossen.

Damit ist der Senat ist aufgefordert eine Strategie zu erarbeiten, welche die Bedeutung der Bienen hervorhebt, die Bezirke schult, den Imkermeister der FU erhält, Projekte für Bienenstöcke unterstützt, das Nahrungsangebot für die Bienen verbessert und Schädlinge wie die amerikanische Faulbrut bekämpft. Sie finden den vollständigen Beschlusstext des Antrags einschließlich der Erweiterungen (s. S. 3) hier:
Bienen-Antrag Berliner Abgeordnetenhaus

Der Umweltverband BUND erklärte zum Weltbienentag 2018: „Noch gibt es Bienen. Aber wir müssen die kleinen Bestäuber und ihre Lebensräume dringend schützen, denn sie sind für uns alle lebenswichtig. Heute sterben Wildbienen massenhaft durch Pestizide, Monokulturen und den Verlust von Lebensräumen. Bienen sind aber die Grundlage unserer Ernährung und unverzichtbar für unsere Ökosysteme.

Ihre weltweite Bestäubungsleistung wird auf 200 bis 500 Milliarden Euro geschätzt, zwei Drittel unserer Nahrungspflanzen sind auf sie angewiesen. Und auch die Bestäubung von Wildpflanzen ist wichtig, denn diese sind die Grundlage für sehr viele Insekten, Vögel und Säugetiere. Mit dem massenhaften Insektenschwund ist das Funktionieren des Ökosystems in Gefahr.“

Auch Kindern und Jugendlichen soll die Bedeutung für unser Ökosystem näher gebracht werden. Vorbildlich sind die Spandauer Imker, die schon 1995 zur Förderung des Nachwuchses ein kleines Holzgebäude als „Lehrbienenstand“ hinter der Revierförsterei Gatow, Kladower Damm 148, in Berlin-Hohengatow errichteten.

Am 22. April 2018 war feierliche Saisoneröffnung mit dem Berliner Imker-Chef Dr. Benedikt Polaczek, vielen Aktiven des Imkervereins Berlin-Spandau mit Franz Plehn an der Spitze, Revierförster Frank Vielicke und dem SPD-Abgeordneten und Umweltexperten Daniel Buchholz.

Buchholz: „Ich war überrascht, wie viele Menschen an diesem schönen Sonntag nach Gatow gefunden haben. Mehr als 80 Interessierte ließen sich in die Welt der Bienen entführen, damit leistet der Spandauer Imkerverein wertvolle Informationsarbeit. Die Bedeutung der Bienen und anderer Bestäuber muss in der breiten Wahrnehmung größere Beachtung finden. “

Daniel Buchholz ist auch Sprecher für Tierschutz der SPD-Fraktion: „Ich werde mich auch weiterhin für den Bienenlehrstand stark machen und unterstütze die Arbeit ausdrücklich. Der einstimmig beschlossene Antrag ‚Strategien für Bienen und andere Bestäuber in Berlin‘ ist ein wesentlicher Schritt für ein aktives Vorgehen zum Schutz der Bienen, der Natur und unseres Ökosystems.“

Ein Besuch des Lehr-Bienenstandes lohnt sich auch wegen des neuerrichteten Waldspielplatzes einige hundert Meter weiter am Waldesrand. Ursprünglich sollte der alte Waldspielplatz ersatzlos abgebaut werden. Nach energischem Einsatz von Daniel Buchholz wurden Finanzmittel in den Landeshaushalt eingestellt und u.a. für den Neubau des Waldspielplatzes in Gatow mit lokalem Holz verbaut.

Buchholz: „In grüner Natur Spielen und Toben macht Kindern auf den Waldspielplätzen der Berliner Forsten besonders viel Spaß. Das geht jetzt auch wieder in Gatow.“ Ein perfekter Ausflug für Familien: erst etwas über Bienen lernen, dann können die Kinder Klettern und Toben. Der neue Waldspielplatz liegt verkehrsgünstig in der Nähe der Haltestelle „Helleberge“ der Buslinie 134, direkt hinter dem Parkplatz an der Trattoria Don Bosco (Kladower Damm 100).

Der Neubau des Wirtschaftsgebäudes der Forsten und des Lehrbienenstandes in Gatows ist bereits seit Anfang 2016 im Berliner Landeshaushalt verankert. Daniel Buchholz hat sich intensiv dafür eingesetzt und seine KollegInnen im Parlament von der Notwendigkeit überzeugt. Leider geschah über zwei Jahre erstmal gar nichts, die 180.000 Euro wurden von der Verwaltung nur „geparkt“.

Nach dem es große Schwierigkeiten gab, per Ausschreibung eine Firma für den Abriss der alten Gebäude und einen Architekten für das neue Gebäude zu finden, ist dies nach Auskunft der Berliner Forsten inzwischen gelungen. Die Abrissarbeiten sind für den Sommer 2018 geplant. Ein erster Entwurf für das neue Gebäude sieht unter Bezugnahme auf das Thema „Bienen“ ein Holz-/ Glasgebäude in Wabenbauweise vor.

Der Bereich Bienen ist  in dem Gebäudeteil geplant, der in Richtung der jetzigen Imkerhütte liegt, der Wirtschaftsgebäudeteil gegenüber. Wegen der z.T. gefahrengeneigten Tätigkeiten dort sind die Gebäudeteile räumlich getrennt, für Veranstaltungen kann der Zuschnitt aber über verschiebbare Wände auch teilweise verändert werden. Es soll noch Gespräche mit den zukünftigen NutzerInnen geben, um die geplanten Raumkapazitäten ggf. zu optimieren. Die weitere Planung und Beauftragung soll parallel zu den Abrissarbeiten erfolgen.

Übrigens summt es in Spandau auch auf der Zitadelle. 25.000 Bienen sind dort eingezogen und sammeln Honig. Der Spandauer Imker Markus Zuschke verrät: „Ab Ende Juni 2018 wird der erste Honig im Zitadellen-Shop angeboten.“

Die Rede von Daniel Buchholz zum Beschluss des Bienen-Antrags im Berliner Abgeordnetenhaus finden Sie hier als kurzweiliges Video:

Weitere Informationen zum Imkerverein Spandau finden Sie hier:
www.imkerverein-spandau.de

Alle Berliner Waldspielplätze finden Sie online unter:
www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten/freizeit/waldspielplaetze