30.000 Altglas-Tonnen in Berlin sollen verschwinden: Jetzt Widerspruch einlegen!

Es wird leider ernst: Ab August sollen in neun Berliner Bezirken mehr als 30.000 Altglas-Hoftonnen abgezogen werden. Die privatwirtschaftlich organisierten Dualen Systeme handeln damit gegen glasklare Beschlüsse des Berliner Parlaments. Für den Umweltexperten und SPD-Abgeordneten Daniel Buchholz ein riesiger Fehler! Er setzt sich für den Erhalt der bewährten Haus- und Hoftonnen ein. Sein Aufruf: Jetzt dem Abzug widersprechen!

Buchholz: „In Spandau, Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf sind die Briefe an Hausverwaltungen und Eigentümer*innen größtenteils bereits verschickt, weitere Bezirke folgen. Damit werden trotz gegenteiliger Beschlüsse des Berliner Abgeordnetenhauses in Kürze mehr als 30.000 Altglas-Tonnen aus den Höfen und vor den Häusern der Berliner*innen verschwinden. Eine echte Zumutung und klimapolitisch das völlig falsche Signal!

Die vorbildliche getrennte Sammlung von Altglas begann in Berlin bereits in den 1970er Jahren. Sie schont Klima und Ressourcen, aber auch das Portemonnaie. Denn Erfahrungen zeigen, dass bei Abzug der Hoftonnen die Menge getrennt gesammelten Altglases deutlich sinkt. Das Altglas landet stattdessen häufig in der teuren Restmülltonne, obwohl die Verbraucher*innen bereits an der Ladenkasse über den ‚Grünen Punkt‘ für Abholung und Recycling der Getränkeverpackung bezahlt haben. Vielen ist der Gang zum Altglas-Iglu zu weit und unbequem. Wer nicht gut zu Fuß ist, dem fällt der Weg besonders schwer.

Bis Anfang 2020 soll rund ein Drittel der Berliner Altglas-Tonnen von Grundstücken und Hinterhöfen verschwinden, v.a. außerhalb des S-Bahn-Ringes bzw. in der Nähe zu öffentlichen Glas-Iglus. Dieses Ziel verfolgen die privatwirtschaftlich organisierten Dualen Systeme bereits seit mehreren Jahren, hauptsächlich um ihre Kosten zu senken. Berlinweit soll die Zahl der Haus- und Hoftonnen in den nächsten Monaten von über 94.000 auf 62.000 sinken. Das hat der Senat gerade offiziell mitgeteilt. Der Abzug steht im glasklaren Widerspruch zu Beschlüssen des Berliner Landesparlaments vom März 2014 sowie April 2017 für den Erhalt der haushaltsnahen und verbraucher­freundlichen Altglas-Sammlung in allen Bezirken.

Altglas-Sammlung: Gut für Verbraucher und das Klima

Das Parlament fordert stattdessen Optimierungen, die bisher nicht umgesetzt wurden: Ausreichend häufige Leerungen, kleinere Einwurf-Löcher sowie ein abschließbarer Deckel für die Tonnen können die Qualität des gesammelten Berliner Altglases deutlich verbessern. Auch die Unterscheidung zwischen Innenstadt und Außenbezirken ist großer Unsinn. Vielmehr sollten die tatsächlich vorhandenen Siedlungsstrukturen das Kriterium sein: Also Einfami­lien­haussiedlungen oder Geschosswohnungsbau, unabhängig von der Lage des Bezirks.

Was sich nur indirekt aus den jetzt verschickten Briefen an die Bürger*innen herauslesen lässt: Der Abzug der Tonnen erfolgt eigentlich nach dem Prinzip der Freiwilligkeit. So haben es Senatsum­welt­verwaltung, BSR und Betreiber der Dualen Systeme in einer sog. Abstimmungsvereinbarung im Juli 2017 festgelegt.

Jetzt ist noch Zeit, für die eigenen Altglas-Hoftonnen aktiv zu werden! Das geht als Eigentümer*in direkt mit einem Widerspruch gegen den Abzug, als Mieter*in bitten Sie Hausverwaltung bzw. Vermieter*in, entsprechend vorzugehen. Musterbriefe für den Wider­spruch gibt es auf der Aktionsseite ‚Meine Altglastonne bleibt!‘ des Umweltverbands BUND:

www.bund-berlin.de/mitmachen/aktion-meine-altglastonne-bleibt

Bundespoltisch sind die Vorzeichen zwar schwieriger geworden. Politisch setze ich mich aber weiterhin für den Erhalt des bisherigen Sammelsystems in Berlin ein und kritisiere die Missachtung der Parlamentsbeschlüsse. Der nun entstehende ‚Flickenteppich‘ von einzelnen Ladestellen für Hoftonnen ist ein weiteres Manko.“

Der Senat hat im Juli 2019 mitgeteilt, dass mit den „größer angelegten Abzugsaktionen“ von Altglastonnen im August 2019 in den Bezirken Spandau, Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf (Gebiet BE 101) begonnen wird. Allein in diesen drei Bezirken reduziert sich die Anzahl „von 28.783 auf ca. 15.300 Behälter“. Ab Ende September 2019 folgen BE 102 (Reinickendorf, Mitte, Pankow) und ab Mitte Oktober 2019 BE 103 (Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg, Neukölln).

Weitere Informationen und Zahlen finden Sie hier im ausführlichen Bericht der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz vom Juli 2019:

Altglas Bericht Senat 07-2019

Der Abzug von Haus- und Hoftonnen für Altglas begann in einigen Berliner Bezirken erstmals Ende 2013. Nach scharfem Protest der betroffenen Mieter, Hausverwaltungen und aus der Politik war der vom Dualen System geplante weitere Abzug der Hoftonnen in allen Bezirken zunächst gestoppt worden. Mehr dazu:

Altglas: Parlament stoppt Abzug von Hoftonnen  (Artikel aus dem Jahr 2016)


Und aus dem Archiv hier noch ein Beitrag aus dem Jahr 2014 – leider weiterhin aktuell:

Grüner Punkt und Duales System am Ende?

Ist das Recycling-System des Grünen Punkts am Ende? Wieso zahlen die Verbraucher oftmals doppelt für die Entsorgung ihres Plastikmülls? Wann kommen die Altglas-Tonnen in drei Berliner Bezirken zurück?

Daniel Buchholz, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, plädiert im April 2014 live im Studiogespräch bei „rbb-aktuell“ für ein Ende des bankrotten Dualen Systems (DSD). Er fordert die kommunale Hoheit für alle Abfälle der privaten Haushalte durch die BSR und ein neues Wertstoffgesetz, das ökologisch und ökonomisch endlich die richtigen Anreize setzt.